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Angefangen hat die aktuelle Massenbewegung Anfang der 90-iger Jahre und kam wieder einmal -- wie schon so oft -- über den großen Teich aus Amerika zu uns. Im Jahr 1996 wurde die Anzahl der Inline-Fans in Deutschland bereits auf rund 8 Millionen geschätzt. 2001 wird sogar schon von rund 14 Millionen Liebhabern dieser Sportart gesprochen. Wer nun allerdings glaubt, dass die Inline-Idee auch in den USA geboren wurde, der irrt gewaltig. Die Geschichte des Inline-Skating ist älter als die USA und reicht bis ins Jahr 1760 zurück.
Im Jahr 1760 konstruierte der Belgier John Josef Merlin ein Paar Rollschuhe. Es handelte sich um seinerzeit bereits bekannte Schlittschuhe, unter die er jeweils zwei Metallrädchen geschraubt hatte. Er nannte seine Konstruktion "Patins ároues alignées" (Rollschuhe mit Rollen in einer Reihe), womit der Begriff "Inline" so ganz nebenbei auch schon erklärt ist. Der offensichtlich geschäftstüchtige Belgier erreichte sogar die Erlaubnis für eine Vorführung seiner Erfindung am englischen Königshof. So glitt er wenig später, eine Violine spielend, während eines Maskenballs übers königliche Parkett, teilte in eleganten Bahnen die staunende Menge und träumte wohl schon von der Massenproduktion seiner Zauberschuhe, als seine zeitgenössische Werbemaßnahme dann ziemlich abrupt in einem übermannshohen Kristallspiegel endete. Er war somit nicht nur der erste urkundlich erwähnte Inline-Skater, sondern wurde auch gleich zum ersten registrierten Unfallopfer aufgrund fehlender Bremstechnik.
Doch sollte Merlin nicht der letzte gewesen sein, dem die Idee des gleitenden Rollens keine Ruhe ließ. So entstanden im Laufe der Jahrzehnte bis weit ins 19. Jahrhundert hinein immer wieder neue Rollschuh-Konstruktionen, die dem Prinzip folgten zwei, drei oder mehr Rollen in einer Reihe anzubringen, doch keinem dieser Patente war der wirklich große Erfolg beschieden. Alle Versuche litten jedoch unter demselben Problem: Die Konstruktionen waren kaum steuerbar und man konnte mit den Rollschune nicht bremsen.
Der erste öffentliche Auftritt von Inline-Skater fand 1849 statt, als der Franzose Louis Legrange in dem Theaterstück "Le Prophete" einen Schlittschuhlauf mit Inline-Skates simulierte. Dazu montierte er kleine Rollen auf die Schlittschuhe.
Das endgültige Aus für die Inline-Idee schien 1863 gekommen, denn in jenem Jahr stellte der New Yorker James Leonard Plimpton seine bahnbrechend neue Erfindung vor: Rollschuhe mit vier Holzrädern, zwei vorn und zwei hinten, jeweils an starren Achsen befestigt und hartgummigelagert. Die Lagerung in einem Gummikissen löste das Problem der Steuerung. Wenn der Fahrer seinen Körper zur Seite neigt, wird das Gummilager zusammengepresst. Diese Kompression erlaubt eine leichte Drehung der Achse und damit der Räder in die Richtung der Körpergewichtsverlagerung. Diese Konstruktion muss als Basis der modernen Roller-Skates angesehen werden. Auch wenn Plimpton sie damals noch "Rocking-Skates" nannte.
Plimpton eröffnete in Amerika und Europa eine Reihe von Rollschuhbahnen. Er sah seine Erfindung als geeigneter Zeitvertreib für die Reichen an. Aber nach Ablauf seines Patents kamen billigere Imitate auf den Markt, so dass Rollschuhfahren in allen Gesellschaftsklassen populär werden konnte.
Vom späten neunzehnten bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert entwickelte sich kontinuierlich mit der Popularität der Rollschuhe auch der organisierte Roll-Sport. Roller-Hockey Mannschaften bildeten sich in ganz Europa ab 1901.
Obwohl der erste Weltkrieg diese Entwicklung unterbrach, kann sie wieder an Fahrt. Die ersten Weltmeisterschaften in Roller-Hockey fanden 1936 in Stuttgart statt. Die ersten World Speed Championships fanden ein Jahr später in Monza, Italien statt.
Die einspurige Variante der Rollschuhe gerieten in Vergessenheit, zumindest für lange, lange Zeit. Fast einhundert Jahre mussten vergehen, bis im Jahr 1960 russische Rollschnelläufer die Inline-Idee wieder aufleben ließen. Auch in der ehemaligen DDR hat man schon vor Jahrzehnten Inline-Skates als Eisschnellauf-Trainingsgerät für den Sommer eingesetzt. Der Durchbruch wurde aber auch damit nicht geschafft.
Anfang der 70er Jahre waren dann die sogenannten Roller-Skates -- mit zwei Achsen, breiten Gummi-Rollen und dem dicken Stopper vorn -- groß in Mode gekommen, weshalb sich wieder niemand mehr für die Inline-Varianten interessierte.
Der Durchbruch des Inline-Sports, wie er heute betrieben wird, muss wohl dem Amerikaner Scott Olson aus Minnesota zugeschrieben werden. Der passionierte Eishockeyspieler wollte es nicht länger hinnehmen, in den langen Sommermonaten auf das Gefühl des Gleitens verzichten zu müssen, und tüftelte schon geraume Zeit an einem Sommerschlittschuh, als ihm im Schaufenster eines kleinen Sportgeschäftes die Konstruktion eines anderen Hobby-Tüftlers auffiel. Da hatte jemand doch tatsächlich kleine Rollen unter einen Schuh montiert, in Reihe noch dazu. Scott Olsen kaufte daraufhin nicht nur dieses Paar aus dem Schaufenster, sondern den gesamten Lagerbestand. Monatelang verbesserte er die Konstruktion immer weiter, bis er im Jahr 1980 endlich weit genug war, um in die erste Serienproduktion von Inline-Skates einzusteigen. Er gründete seine eigene Firma und nannte sie "Rollerblade", ein Name, der um die Welt gehen sollte. Dennoch ist die Geschichte von Scott Olsen nicht die große Erfolgsstory. Denn schon fünf Jahre später musste er sich aus finanziellen Gründen von seinem kleinen Unternehmen trennen. Erst mit dem neuen Inhaber, der italienischen Firma Benetton Sportsystem, trat der Name Rollerblade seinen Siegeszug um die ganze Welt an und wurde für lange Zeit zum Synonym für Inline-Skates.
Heute ist der Skate-Markt weltweit eine Milliardenbranche. Nach Rollerblade kamen andere Sportartikelhersteller auf die Rolle und sorgten für eine ständige Weiterentwicklung der schnellen Schuhe. Nach den USA hat sich Deutschland dabei auf Rang zwei der wichtigsten Inline-Länder geschoben. Nirgendwo sonst in Europa werden so viele Inliner unters Volk gebracht wie hierzulande. Und der Boom scheint ungebrochen.
Weitere interessante links: Wikipedia Speedskaten (extern)
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